Der Technikkram ist gekauft. Das Konto ist übersichtlicher geworden und der Karton steht vor einem auf dem Tisch. Da können sich auch gestandene Männer wie kleine Kinder freuen. Ich zumindest kann das, und seit ich die Fotografie für mich entdeckt habe hatte ich das Gefühl immer wieder... 

Jetzt steht es also an: das erste Foto! Wie man dabei zu guten Ergebnissen kommt, darüber berichte ich in diesem Blog.

Modus-Wahlrad einer Canon

Wer meinen Beitrag Kamera kaufen: ein Einstieg gelesen hat, der steht jetzt vielleicht gerade vor einem Karton mit einer Spiegelreflexkamera nebst zugehörigem Objektiv. Die Akkus kommen normalerweise schon geladen, was gut ist. Denn kein Mensch kann abwarten bis ein Akku geladen ist bevor er das erste Foto macht. Niemand. Das erste Foto geht auch ganz einfach von der Hand: Objektivdeckel ab, Drehrädchen auf Automatik (bei Canon ist das ein grünes Viereck, evtl. mit "A+" beschriftet, im Bild nur ein Viereck - jedenfalls das einzige grüne Symbol) und den Auslöser drücken. Fertig. Wer zuvor noch einen Akku eingesetzt hat und eine Speicherkarte in die Kamera geschoben hat, der hat soeben sein erstes Foto gemacht. Herzlichen Glückwunsch!

Übrigens: wie alle Beiträge in diesem Blog beziehen sich die Bezeichnungen der Einstellungen auf Canon. Bei Nikon und anderen Herstellern kann es etwas abweichen ist aber ähnlich.

Das erste Mal

Ein Foto mit einer DSLR zu schießen ist also gar nicht so schwer. Was wir aber eben gemacht haben ist vergleichbar mit einem Porsche, der durch die Spielstraße fährt. Wenn ihr jetzt weiter lest und das umsetzt, was ich schreibe, dann war das für die nächsten Wochen oder Monate mit dem einfachen Fotografieren. Es steht ein steiniger Weg bevor, aber am Ende könnt ihr Fotos machen, bei denen ihr entscheidet wie das Ergebnis aussieht, und bei denen ihr eure Kamera an ihre Leistungsgrenze bringen könnt. Es ist wie mit dem Autofahren lernen: irgendwann müsst ihr nicht mehr überlegen welches Pedal die Bremse ist oder wann ihr schalten solltet, es geht einfach in Fleisch und Blut über. Bis man soweit ist vergeht einige Zeit und ihr werdet euch einige Male ärgern, dass das Ergebnis so gar nicht euren Vorstellungen entspricht. Wenn euch das zu viel Stress ist, dann packt die Kamera wieder ein, tragt sie zurück ins Geschäft und nehmt euer Handy. Das was ihr im Automatikmodus gemacht habt geht damit auch.

Um Fotografieren zu lernen muss man verstehen wie man das Licht auf den Sensor der Kamera bekommt. Denn nur darum geht es: Licht auf einen kleinen Chip zu bringen. Eure Kamera bringt dazu einige Modi mit, die euch das abnehmen sollen. Das sind die Bildchen auf dem Modus-Wählrad. Der Kopf steht z.B. für das Portrait. Die Kamera nimmt dann einige Einstellungen vor, mit denen man ein Portrait normalerweise macht. Sie nimmt eine offene Blende um den Hintergrund unscharf darzustellen beispielsweise. Mein Vorschlag: von diesen "Bildchen-Programmen" lassen wir schön die Finger weg. Der Punkt kommt sehr schnell, an dem die Ergebnisse doch nicht so sind wie ihr sie wollt, und dann müsst ihr wissen was zu tun ist. Diese Programme sind für Leute, die einem Klumpen Silizium mehr zutrauen als ihrem Hirn. 

Um das richtige Ergebnis bewusst erzielen zu können muss man wissen was ISO, Blende, Verschlusszeit und Brennweite ist. Dazu muss man diese Werte dann natürlich auch per Hand einstellen können. Das kann man in den Kreativprogrammen der Canon, die mit P/TV/AV/M und A-DEP beschriftet sind. Manche Kameras verfügen auch über ein Kreativprogramm B und C. Das hört sich jetzt schon verdammt kompliziert an, aber keine Angst, wir vereinfachen das Ganze gleich wieder. Es gibt diese vielen Programme nämlich um euch die Arbeit zu erleichtern und einzelne Einstellungen von der Kamera vornehmen zu lassen. 

  • Der Kreativmodus P (Programmautomatik) ist der einfachste Modus. Er macht genau dasselbe wie der Automatikmodus, nur dass ich den ISO-Wert per Hand einstellen kann. Vergesst den ganz schnell wieder.
  • Der Kreativmodus TV ("Time Value", Blendenautomatik) berechnet die Blende automatisch (keine Angst, zu den ganzen Fachbegriffen kommen wir gleich). Ihr müsst also nur die Verschlusszeit einstellen.
  • Der Kreativmodus AV ("Aperture Value", Verschlusszeitautomatik) macht genau das Gegenteil von TV: ihr könnt die Blende vorgeben, die Kamera berechnet daraus die richtige Verschlusszeit.
  • Der Kreativmodus M (Manuell) gibt euch die volle Kontrolle, ihr könnt/müsst alle Werte selbst einstellen. In vielen Fotografiediskussionen wird Anfängern davon abgeraten diesen Modus zu nutzen. Profis würden das nämlich auch nicht tun. Das ist nicht ganz richtig: Sportfotografen, die an der Seitenlinie auf den Siegtreffer der Nationalmannschaft im Endspiel der Weltmeisterschaft warten nutzen diesen Modus nicht. Wenn Profis Landschaften, Gebäude oder den Sternenhimmel fotografieren nutzen sie ihn sehr wohl. Nun bin ich zwar kein Profi, aber ich habe im nach einigen Versuchen begonnen im "M"-Modus zu fotografieren, erst dadurch habe ich verstanden wie ISO-Blende-Verschlusszeit zusammenhängen. Heute fotografiere ich 99,9% meiner Bilder im M-Modus. Es ist mir in Fleisch und Blut übergegangen und an meiner EOS 70D kann ich über Stellräder Blende und Verschlusszeit schnell einstellen, zusätzlich habe ich noch eine Schnellwahltaste für den ISO-Wert, der mir ermöglicht z.B. auf Städtereisen schnell zwischen zwei ISO-Werten hin- und herzuschalten (Wenn ich z.B. aus einer dunklen Kirche auf einen hellen Marktplatz komme. Das alles ging nach wenigen Wochen blind und deshalb bin ich der festen Überzeugung: wer fotografieren lernen will sollte den M-Modus nutzen und alle anderen Modi erstmal vergessen. Wenn ihr die Hintergründe verstanden habt, dann könnt ihr gerne AV/TV nutzen. Die restlichen Modi braucht kein Mensch.
  • Der Vollständigkeit halber noch die Kreativmodi B (Bulb) und C (Customer): Bulb bedeutet, dass solange belichtet wird bis man den (Fern-)Auslöser loslässt. Etwas für Nachtaufnahmen mit dem man sich später beschäftigen sollte. Mit dem Customer-Modus C kann man sich eigene Konfigurationen abspeichern. Das sind dann Sachen wie Belichtungsreihen oder Spiegelvorauslösung. Das ist auch etwas für später.

In weiteren Beiträgen möchte ich mich mit den Grundeinstellungen beschäftigen, die man im M-Modus treffen sollte.

 


Fotoschule

Ein Teil der Beiträge hier habe ich ursprünglich für einen Freund und Fotografie-Neuling geschrieben. In etwas veränderter Form habe ich sie zu einem Tutorial für Einsteiger zusammengefasst. Hier ein Überblick über die einzelnen "Kapitel", die logisch aufeinander aufbauen.