Ich habe ein Weilchen gebraucht bis ich verstanden habe, was die Blende macht. Dabei ist es ganz einfach und das Wissen darum eine absolut notwendige Voraussetzung für gute Fotos. Im Gegensatz zum ISO-Wert, den ich in Basics II: Der ISO-Wert beschrieben habe muss die Blende auch vom Anfänger für jedes Foto eingestellt werden. Denn die Blende hat Einfluss auf die Tiefenschärfe, auf die Darstellung von Lichtquellen und anderes. Wie das funktioniert erfahrt ihr hier. 

 

Die Blende

Die Blende ist ein recht einfaches mechanisches Teil, aber was sie macht ist essentiell für unser Foto und man braucht ein Weilchen bis die Einstellung Blende + Verschlusszeit blind und ohne nachzudenken von der Hand geht. Kurz gesagt ist die Blende ein Ring aus Lamellen im Objektiv. Mit diesen Lamellen kann man die Öffnung durch die das Licht hereinfällt vergrößern oder verkleinern. Damit ist auch klar, warum die Blende einen Einfluss auf die Belichtungszeit hat: ist die Blende weit offen fällt mehr Licht durch das Objektiv und man muss eine kürzere Verschlusszeit wählen. 

Die Blende wird mit der Blendenzahl angegeben. Ohne euch mit mathematischen Details zu langweilen: je größer die Blendenzahl, desto kleiner die Blendenöffnung. Die Blenden, die sich an einer Kamera schalten lassen nennt man Blendenreihe. Eine Blendenreihe war ursprünglich so angelegt, dass sich die Menge des einfallenden Lichts pro Blendenstufe verdoppelte bzw. halbierte. Diese Blendenreihe wäre f/1, f/1,4, f/2, f/2,8, f/4, f/5,6, f/8, f/11, f/16, f/22, f/32. Teilweise werden auch halbe Blendenreihen (f/1 f/1,2, f/1,4, f/1,7, f/2, f/2,4, f/2,8, f/3,4, f/4, f/4,8, f/5,6, f/6,7, f/8, f/9,5, f/11, f/13, f/16, f/19, f/22) verwendet. Moderne DSLR können in der Regel drittel Blendenreihen (f/1, f/1,1, f/1,2, f/1,4, f/1,6, f/1,8, f/2, f/2,2, f/2,5, f/2,8, f/3,2, f/3,5, f/4, f/4,5, f/5,0, f/5,6, f/6,3, f/7,1, f/8, f/9, f/10, f/11, f/13, f/14, f/16, f/18, f/20, f/22....) einstellen.

85mm Festbrennweite mit unterschiedlichen Blendeneinstellungen

85mm Festbrennweite mit unterschiedlichen Blendeneinstellungen | Foto: KoeppiK (Wikipedia)

Die technische Seite hätten wir also abgehandelt. Man sollte es mal gehört haben, wichtig ist nur: kleine Blendenzahl bedeutet große Öffnung. Das führt manchmal zu Verwirrung, wenn man nicht weiß was der andere meint, wenn er von "großer Blende" redet. Man sollte sich daher angewöhnen von Offenblende (kleine Blendenzahl) oder geschlossener Blende zu reden. Der wichtige und spannende Teil kommt jetzt: die Fokusebene. Die Fokusebene ist der Teil des Bildes, der scharf ist. Er hängt von verschiedenen Faktoren ab, mit am wichtigsten ist in diesem Zusammenhang die Blende. Mit einer offenen Blende bekommt man einen sehr kleinen Fokusbereich vor und hinter dem Fokuspunkt. Der Vordergrund und Hintergrund wird unscharf. 

Tiefenschärfe

An diesem Bild wird das deutlich. Dieses Bild wurde mit einer offenen Blende F/2.8 geschossen. Die Schärfentiefe ist sehr gering, deshalb ist der Vorder- und Hintergrund unscharf. Diese Methode ist wichtig um ein Hauptmotiv freizustellen. Es wird häufig in der Portraitfotografie eingesetzt, kann aber auch bei anderen Motiven angewandt werden. Bei der Tier- und Sportfotografie beispielsweise, aber auch bei der Makrofotografie (wo es aber meist unerwünscht ist, aber auch das ist einen eigenen Beitrag wert).

Je weiter man die Blende schließt, desto mehr Schärfentiefe kann erreicht werden. Das ist wichtig in der Landschafts-, und Architekturfotografie. Da geschlossene Blende weniger Licht pro Zeiteinheit bedeutet verlängert sich (bei gleicher ISO) die Belichtungszeit. Hier kommt man deshalb, gerade bei schlechtem Licht schnell in einen Bereich in dem man nicht mehr "aus der Hand" fotografieren kann, da niemand die Kamera absolut ruhig halten kann. Verwacklungen wären die Folge. Hier ist dann ein Stativ notwendig.

Eine Faustformel für die Freihandgrenze, das heißt die maximal mögliche Belichtungszeit aus der Hand ist:

Belichtungszeit = Kehrwert der eingestellten Brennweite.

Klingt kompliziert, ist aber im Grunde ganz einfach. Hast du ein 24-70 Standardzoom-Objektiv und fotografierst mit 70mm, dann ist die Freihandgrenze bei 1/70 Sekunde. Aber Vorsicht! Dieser Wert gilt für Vollformatkameras, die meisten Anfänger fotografieren wohl mit einer APS-C-Kamera, und dort muss ich den Wert mit 1,6 ("Crop-Faktor") multiplizieren. 70*1,6 ergibt 112 -> 1/112 Sekunden. Einen Wert, den deine Kamera vermutlich nicht einstellen kann. Daher wechselt man auf den nächst höheren Wert, in den meisten Fällen dürfte das 1/125 Sekunden sein. Das ist aber nur eine Faustformel, je nachdem wie ruhig deine Hand ist klappt das beim Einen besser, beim Anderen schlechter. Dann kommt noch der Bildstabilisator ins Spiel: verfügt das Objektiv über einen Bildstabilisator, dann kann man damit (die nächste Faustformel) zwei Blendenstufen kürzer belichten. Oben haben wir gelernt, dass eine Blendenstufe der doppelten oder halben Menge an Licht entspricht, man kann also mit eingeschaltetem Bildstabilisator viermal solange belichten ohne ein verwackeltes Bild zu bekommen. In unserem Fall also statt 1/112 Sekunde 1/28 Sekunden. 

Das Spiel mit dieser Blende ermöglicht es uns kreativ zu werden. Wie beschrieben können wir ein Motiv vor dem Hintergrund freistellen, indem wir die Blende möglichst weit öffnen. Wird die Blende zu weit geöffnet kann es aber auch passieren, dass wir zu viel freistellen und beispielsweise nur die Nasenspitze scharf ist, die Ohren aber schon nicht mehr. Den Unscharfen Teil des Bildes nennt man Bokeh, es ist von der Qualität des Objektivs abhängig. Gute Objektive mit vielen Lamellen, die eine annähernd runde Öffnung ergeben ermöglichen ein weiches Bokeh.

Selbstportrait, freigestellt durch Blende f/4.5 bei 70mm und 1/160s
Selbstportrait, freigestellt durch Blende f/4.5 bei 70mm und 1/160s

 

Einen weiteren Effekt, den wir mit der Blende erzielen können sind die Blendensterne. Vermutlich sagt dir das Wort Blendenstern nichts, aber du kennst sie von Bildern. Hier mal ein Bild mit Blendensternen, aufgenommen mit meinem Canon EF 24-70 f/2.8L II USM, einem hochwertigen Objektiv aus Canons Profiserie:

EOS 70D / EF 24-70 f/2.8L II USM | ISO 100 24mm f/13 30 Sekunden
EOS 70D / EF 24-70 f/2.8L II USM | ISO 100 24mm f/13 30 Sekunden

 

Deutlich sieht man filigrane Strahlen von den Laternen abgehen, die man gestalterisch einsetzen kann. Physikalisch ist der Vorgang nicht ganz einfach, aber zum Anfang soll genügen, dass er von den Lamellen kommt, die ja keine ganz runde Öffnung bilden, sondern kleine "Ecken" haben. Das 24-70 2.8L hat 9 Lamellen, deshalb hat jeder Blendenstern 18 Strahlen. Bei ungerader Lamellenzahl verdoppelt sich die Zahl der Strahlen, bei gerader Lamellenzahl ist die Anzahl der Lamellen gleich der Strahlen. 

Zum Vergleich noch ein weiteres Bild mit Blendensternen, dieses mal mit einem Sigma 17-70 f/2.8-4 DC Macro OS HSM. Man sieht, dass es hier aufgrund der sieben Lamellen nur 14 Strahlen zu sehen sind.

EOS 1100D und SIGMA 17-70 2.8-4 DC Macro OS HSM | ISO 100 17mm f/11 30 Sekunden
EOS 1100D und SIGMA 17-70 2.8-4 DC Macro OS HSM | ISO 100 17mm f/11 30 Sekunden

 

Man erkennt ebenfalls, dass die Qualität der Sterne schlechter ist als im ersten Bild. Die Qualität der Sterne kann man über die Blendenöffnung bestimmen. Je geschlossener die Blende, desto schöner die Sterne. Weiterhin ist die Qualität des Objektives für die Qualität der Blendensterne verantwortlich. Je mehr Lamellen, desto filigraner und feiner wirken die Sterne. Das hat aber auch seinen Preis: zwischen den beiden Objektiven mit denen die Beispielbilder gemacht wurden liegen über 1000 Euro Preisunterschied.


Fotoschule

Ein Teil der Beiträge hier habe ich ursprünglich für einen Freund und Fotografie-Neuling geschrieben. In etwas veränderter Form habe ich sie zu einem Tutorial für Einsteiger zusammengefasst. Hier ein Überblick über die einzelnen "Kapitel", die logisch aufeinander aufbauen.