Der Versuch eines Ratgebers für Fotografie-Einsteiger. Welche Kameratypen gibt es? Wo liegen die Unterschiede? Welche Kamera eignet sich für Einsteiger, die gerne "richtig" fotografieren lernen wollen? Ungeeignet für Leute, die sich nicht mit der Technik beschäftigen wollen, geeignet als Einstieg für Leute, die ihre Kamera verstehen wollen und zukünftig mehr wollen als den Auslöseknopf zu drücken und die Fotos auf Instagram zu posten.

Wie ich zur Kamera kam

Ich fotografiere schon seit meiner Kindheit sehr gerne. Anfangs mit Kompaktkamera, damals noch mit richtigem Film. Im schuleigenen Fotolabor hatte ich die Dinger sogar selbst entwickelt. Irgendwann kam dann eine digitale Kompaktknipse und dann bald das Mobiltelefon als "Foto immer am Mann". So ab dem iPhone 3GS konnte man damit auch ganz passable Bilder knipsen. Knipsen, nicht fotografieren. Denn an die Qualität der Fotos meiner Bekannten und Freunde mit einem richtigen Fotoapparat kamen meine Machwerke nie heran. Ich ging daher schon lange Zeit mit dem Gedanken schwanger, mir eine "richtige", "gute" Kamera zuzulegen. Die Entscheidung eine DSLR *jetzt *zu kaufen fiel dann relativ spontan bei einem Spaziergang mit der weltbesten Frau durch die Innenstadt. Zuvor laß ich querbeet durchs Netz und wurde davon kein bisschen schlauer, was denn nun die richtige Ausstattung für mich wäre. Genau das ist auch der Grund für diesen Blog: eine Hilfestellung für Anfänger zu geben, mit welcher Ausrüstung, mit welchen Übungen der Einstieg in die Fotografie leicht fällt.

Meine Entscheidung viel damals letztlich im Fotogeschäft aus irrationalen Gründen und spontan. Ich sagte zu meiner Frau an diesem Frühlingstag 2013 "wir gehen jetzt da rein und ich kaufe eine Kamera". Apropos irrational: von rationalen Entscheidungen solltet ihr euch besser gleich verabschieden, wenn ihr euch für dieses Hobby interessiert. Ihr werdet Geld für Dinge ausgeben, die man eigentlich nicht braucht. Und es wird nie aufhören. Nie. Es gibt immer noch etwas, dass ein bisschen geiler ist, als das, was ihr bereits besitzt. Die spontane Kaufentscheidung war nicht sonderlich klug und mit etwas mehr Vorbereitung oder einer besseren Beratung hätte ich eine andere Kamera (aus dem gleichen Haus) und ein anderes Objektiv genommen. Das Fachgeschäft habe ich im Nachgang dann auch gewechselt und bin jetzt bei Foto Schweizer in Schwäbisch Gmünd sehr glücklich. Ich wusste lediglich es soll eine Canon oder Nikon werden, da ich gelesen hatte, dass die beiden Hersteller die breiteste Auswahl bieten, dass es den größten Gebrauchtmarkt gibt und dass es die größten Communitys im Netz gibt. Das war klug. 

Im Netz liest man immer, dass es letztlich egal sei, ob Canon oder Nikon, auch wenn darum in diversen Foren Glaubenskriege von den jeweiligen Jüngern geführt werden. Ich kannte mich zu wenig aus, deshalb ging ich unbefangen an die Sache heran und habe mich letztlich für eine Canon entschieden, weil das schwarz-rot besser aussah als das schwarz-gelb. Letztlich war diese Entscheidung für mich richtig, weil man mit dem 50mm 1.8 und dem 55-250 4.5-5.6 (dazu an anderer Stelle mehr) ein günstiges Teleobjektiv und eine saumäßig günstige Festbrennweite bekommt. Beide Gläser sind für Einsteiger super geeignet, dass 50mm ist immer noch mein Portraitglas, das Teleobjektiv habe ich mittlerweile durch etwas besseres ersetzt, ich käme aber nie auf den Gedanken es zu verkaufen. Auf Reisen kann ich das kleine leichte Ding immer noch irgendwo verstauen, und bei Tageslicht ist das ein super Ding.

Bridge oder Spiegelreflex...?

Eine Bridge (Canon G1X) | Foto: Richard Huber, Wikipedia
Eine Bridge (Canon G1X) | Foto: Richard Huber, Wikipedia

 

Hat man sich entschieden von der Kompaktkamera oder von der Handyknipse zu einer "richtigen" Kamera aufzusteigen, dann steht zu allererst eine Systementscheidung an. Als günstige Einsteigervariante bietet sich eine Bridgekamera an. Die Bridge ist eine Kreuzung aus Kompaktkamera und Spiegelreflex. Sie bietet wie ihr großer Bruder diverse Einstellmöglichkeiten. Die Bridge bietet für den Einsteiger einige Vorteile:

  • Einstellmöglichkeiten wie eine echte DSLR
  • Kostengünstig (ab 200€ statt 350€ für eine Einsteiger-DSLR mit Kit-Objektiv)
  • Kompakter und leichter als eine DSLR
  • Kein Objektivwechsel und damit keine/weniger Verschmutzung im Kamerainneren
  • keine Spiegelmechanik, daher fast lautloses fotografieren
  • die Objektive decken dank einem kleinen Sensor mit einem kleinen Objektiv eine große Brennweite ab
  • viele Motivprogramme, die das Fotografieren erleichtern (sollen)
  • Full-HD-Videoaufnahme möglich
  • LCD-Monitor für Livevorschau der Bilder

Das hört sich für einen Einsteiger alles prima an. Billig in der Anschaffung, kann vieles und ist dazu noch leicht und kompakt. Oder? Hier kommt das große "aber": Für mich persönlich war die Entscheidung gegen eine Bridgekamera schnell gefasst. Ich bin ein Technik-Freak und Fotografie ist für mich die Verbindung zwischen Technik und Kreativität. Ich will die Mechanik einer DSLR, ich will ein Bild komponieren und nicht auf einen LCD-Monitor starren und mich auf die Motivprogramme verlassen und ich will Technik, die nach Technik aussieht und nicht nach einer getunten Kompaktknipse. Intuitiv habe ich mich am Beginn meiner "Fotografenkarriere" gegen dieses System entschieden. Der Verkäufer drückte mir das Ding in die Hand und ich habe dankend abgelehnt. Neben meinem persönlichen Geschmack gibt es aber auch handfeste Gegenargumente:

  • "extremer" Weitwinkel unter 24mm nicht möglich
  • große Brennweite nur bei sehr teuren Modellen 
  • es gibt zwar für o.g. Nachteile Adapter, aber wenn man dann doch irgendwann eine richtige DSLR haben möchte werden die Adapter nutzlos und müssen mit entsprechenden Abschlägen verkauft werden
  • durch den kleinen Sensor sind die Kameras nur für optimale Lichtverhältnisse geeignet. Bei schwachem Licht neigen die Kameras zum rauschen.
  • Die Blende ist sehr beschränkt, in beide Richtungen. Daher beschränkt man sich in Sachen Bewegungsunschärfe/Dynamik und Schärfentiefe
  • Geringe Auflösung der optischen Sucher erschweren die richtige Fokussierung

Eine Bridge macht schöne Fotos. Wer ein Gerät sucht um damit auf der Familienfeier zu knipsen ohne sich groß mit der Technik zu beschäftigen kann damit viel Freude haben. Wer fotografieren lernen will soll die Finger davon lassen. Gleiches gilt für spiegellose Systemkameras, sogenannte DSLM, die zwar über ein Bajonett zum Wechseln der Objektive, nicht aber über einen Sucher verfügen. Wer fotografieren lernen will benötigt in meinen Augen eine DSLR. Alle anderen können deshalb hier das Lesen einstellen.

Eine sogenannte DSLM, eine spiegellose Systemkamera (Canon EOS M mit Speedlite 90EX Blitzgerät) | Foto: 35mm, Wikipedia
Eine sogenannte DSLM, eine spiegellose Systemkamera (Canon EOS M mit Speedlite 90EX Blitzgerät) | Foto: 35mm, Wikipedia

APS-C oder Kleinbild...?

Nachdem wir uns darauf geeinigt haben, dass die Grundlage des Hobbies Fotografie eine DSLR ist kommen wir nun zur Systemfrage Nummer 2, die im wesentlichen vom Geldbeutel des zukünftigen Fotografen abhängig ist und die man reiflich überlegen sollte: die Sensorgröße. Denn ein Wechsel von einem Sensor zum Anderen bedeutet meist auch, dass man alle Objektive austauschen muss, und damit kann man nach einiger Zeit richtig Geld verbrennen... Um was geht es? Kernelement jeder digitalen Kamera ist der Bildsensor. Auf ihn trifft das Licht aus dem Objektiv und wird in elektrische Signale umgewandelt aus denen letztlich das Bild entsteht. Bildsensoren unterscheiden sich Seitenverhältnis (4:3, 3:2 oder auch 16:9), in der Anzahl der einzelnen Bildpunkte, die auf dem Sensor angeordnet sind (Maßeinheit Megapixel) und in der Größe des Sensors. Relevant sind für uns zwei Sensorgrößen: zum einen das sogenannte Kleinbildformat. Dieses Format gab es schon zu Zeiten der analogen Fotografie, Kleinbildsensoren haben eine Größe von 36x24mm. Als die digitale Fotografie aufkam wurden zuerst nur kleinere Sensoren angeboten, als dann Sensoren im analogen Standardformat "Kleinbild" aufkamen etablierte sich auch der Name Vollformat für den Kleinbildsensor.

Sensorformate im Überblick | Foto: bearbeitet nach Хрюша, Wikipedia
Sensorformate im Überblick | Foto: bearbeitet nach Хрюша, Wikipedia

Die zweite Alternative ist der APS-C-Sensor (Canon) bzw. der DX-Sensor (Nikon) oder ein vergleichbarer Sensor. Aus dem Bild oben ist der erhebliche Größenunterschied zwischen einem Kleinbild- und einem APS-C-Sensor bereits ersichtlich: der Kleinbild-Sensor ist um 163% größer als der APS-C/DX-Sensor. Dieser Größenunterschied führt zum sogenannten Crop-Faktor. Wie in der Zeichnung unten dargestellt führt ein Objektiv gleicher Brennweite an einer Kleinbildkamera zu einem völlig anderem Ergebnis als an einer APS-C oder DX-Kamera. Der abgebildete Bildausschnitt an einer APS-C-/DX-Kamera ist wesentlich kleiner - sie hat also mit demselben Objektiv "mehr Zoom". Oder anders ausgedrückt: um denselben Zoomfaktor mit einer Kleinbild zu erreichen brauche ich ein Objektiv mit wesentlich mehr Brennweite - und Brennweite kostet immer Geld und geht ins Gewicht.

Der Crop-Factor: APS-C versus Kleinbild | Quelle: Markus Weber Der Crop-Factor: APS-C versus Kleinbild | Grafik: Markus Weber
Der Crop-Factor: APS-C versus Kleinbild | Quelle: Markus Weber Der Crop-Factor: APS-C versus Kleinbild | Grafik: Markus Weber

 

Der Crop-Faktor zwischen einer Canon ASP-C und einer Kleinbildkamera liegt bei 1,61. Das heißt, dass man mit einem 500mm Teleobjektiv an einer APS-C-Kamera dasselbe Resultat erzielt wie mit einem 800mm-Objektiv an einer Kleinbildkamera. Viel wichtiger für den Einsteiger ist aber die Tatsache, dass Kleinbild-Kameras teuer sind. Richtig teuer. Dasselbe gilt für die entsprechenden Objektive. Der Body des Kleinbild-Einsteigermodells EOS 6D von Canon liegt bei rund 1.600 Euro (ohne Objektiv). Wenn man also nicht vorhat mit seiner Kamera in absehbarer Zeit Geld zu verdienen und nicht als Sohn eines arabischen Ölscheichs geboren wurde, so wird man sich in den meisten Fällen für einen kleineren Sensor entscheiden. Was zusätzlich den Vorteil hat, dass man durch den Crop-Faktor mit kleineren Teleobjektiven zurecht kommt.

Markenvielfalt

Damit sind die entscheidenden Fragen geklärt, die sich der Fotografie-Anfänger vor dem Kauf der ersten Kamera stellen sollte. Meine Empfehlung geht ganz klar in Richtung DSLR mit APS-C-Sensor. Sicher gibt es auch Ansprüche, die zu einer anderen Lösung führen, und wenn der Geldbeutel es zulässt kann man natürlich auch gleich mit Kleinbild einsteigen - ein späterer Wechsel bedingt ja auch immer einen Wechsel der gesamten Objektiv-Ausstattung. Nun steht die Frage an, die in Foren mit religiösem Eifer bis zum Erbrechen diskutiert wird: welche Marke soll es werden? Mit dieser Entscheidung legt man sich noch stärker fest, als mit der Entscheidung APS-C / Kleinbild. Nicht nur, dass Objektive bei einem Markenwechsel nicht mehr passen, auch alles weitere Zubehör von der Fernbedienung bis zum Blitzgerät muss ausgetauscht werden. Welche Marke sollte man also ins Auge fassen? Es gibt eine Vielzahl von Herstellern, aber zwei möchte ich dem Anfänger ans Herz legen - wie ich oben schon schrieb: Nikon und Canon.

Der Grund ist denkbar einfach: die beiden Platzhirsche bieten das umfangreichste Sortiment an Zubehör. Weiterhin ist natürlich auch der Markt für gebrauchtes Material bei diesen Herstellern am Größten. Auch die Profis nutzen in der Regel eine dieser Marken und mit etwas Geduld kann man bei ebay so zu gebrauchten Profiobjektiven zu günstigen Konditionen kommen. Letztlich muss diese Entscheidung jeder Fotograf selbst treffen: wer sich für die Anschaffung einer DSLR interessiert sollte in ein Fachgeschäft gehen und beide Hersteller in die Hand nehmen. Unter einem Fachgeschäft verstehe ich übrigens nicht den örtlichen Mediamarkt. Die dort beschäftigten "Verkäufer" sind in aller Regel fähig aufrecht zu gehen und selbstständig die Atmung aufrecht zu erhalten. Weitergehende Fachkompetenz ist nicht zu erwarten. Bei meinem Fotofachgeschäft werde ich als Kunde angesehen. Man kennt mich und meine Geschichte - weil ich mich dort nicht nur beraten lasse, sondern dort auch kaufe. Ich finde es schäbig, die Beratungsleistung dort abzugreifen um dann bei Amazon mit 5% Abschlag zu kaufen. Ein durchaus übliches Verfahren, dass aber dazu führt, dass die wirklichen Fachgeschäfte verschwinden und durch Internethändler und Ramschbuden wie Mediamarkt und Saturn verdrängt werden. Wer in die Fotografie einsteigen will sollte sich seinen Fachverkäufer zum Freund machen: er findet für viele Probleme eine Lösung, er berät fair und man wird ihn zukünftig öfter sehen als einem lieb ist. Ein weiterer Grund für oder gegen einer der beiden großen Hersteller kann die genutzte Technik im Freundeskreis sein. Besitzt ein Freund bereits eine Fotoausrüstung eines Herstellers kann man sich mit diesem mit Objektiven oder Zubehör austauschen. Dieses Argument ist allerdings mit Vorsicht zu genießen - verleiht der Freund seine Ausrüstung wirklich? Ich zum Beispiel bin ein sehr hilfsbereiter Mensch, aber zu den Dingen die ich sicher nicht aus den Händen gebe gehört meine Fotoausrüstung. Ergo: der ambitionierte Fotografieeinsteiger sollte sich die beiden großen Namen anschauen, beide in der Hand gehabt haben und ein paar Probefotos im (oder vor) dem Fachgeschäft geschossen haben. Die Entscheidung wird subjektiv ausfallen, denn der Unterschied ist marginal. Ich habe mich für Canon entschieden, was letztlich eine Bauchentscheidung war. Im Nachhinein kann ich dafür sogar gute Gründe finden. Die Auswahl an Objektiven zum Beispiel ist bei Canon (noch) besser. Aber ich würde den Leser belügen, wenn ich behaupten würde, diese Entscheidung subjektiv getroffen zu haben. Schwarz-rot hatte einfach mehr Sex-Appeal als Schwarz-gelb. Punktum. Manche Entscheidungen muss der Bauch treffen, und diese gehört dazu. Da ich mich nunmal für Canon entschieden habe und diese Entscheidung auch nicht bereut habe, werden die folgenden Beiträge in diesem Blog immer wieder auf Canon Bezug nehmen. Das ist aber bis auf einige wenige Unterschiede in der Bedienung belanglos. Die Kamera muss dir liegen, denn wenn du Fotograf werden willst, dann wirst du die nächsten Monate lernen müssen sie blind und intuitiv zu bedienen.

Was kostet mich das...?

Wer meine Empfehlungen logisch findet und ihnen folgt, der wird als Einsteiger bei einer DSL-R mit APS-C-Sensor landen und einen der beiden großen Hersteller favorisieren. Bei Canon (und der Wettbewerb bietet vergleichbares) beginnt der Einstieg mit den o.g. Vorgaben mit der EOS 1300D. Die Kamera mit dem 18,1 Megapixel APS-C-Sensor liegt zusammen mit einem 18-55mm EF-S-Kit-Objektiv der 3. Generation bei 433€, mit dem 15-55mm EF-S der 2. Generation bei 420 (alle Preise UVP Canon Deutschland). Die 700D als besser ausgestattete Einsteiger-DSLR (ebenfalls 18MP, APS-C-Sensor) liegt mit demselben Kit-Objektiv EF-S 18-55mm bei 500€. In der nächsthöheren Klasse (EOS 6D, 7D, 60D, 70D) ist derzeit die 70D zu empfehlen. Die liegt inklusive einem EF 18-135mm Kit bei 1300€ im Fachhandel. Wer gleich richtig zuschlagen möchte kann sich im Profisegment bedienen. Die "Einsteigerkamera" im Profisegment ist die EOS 6D. Mit dem Kit-Objektiv EF 24-105 liegt die Kleinbildkamera/Vollformatkamera 6D bei 2035€. Doch Vorsicht bei der Budgetplanung! Mit der Kamera plus Objektiv an sich ist es nicht getan, es kommen weitere Kosten hinzu, die man einplanen muss. Gleich zu Beginn benötigt man zumindest zwei Speicherkarten. Wenn man nicht gerade im Profilager einsteigt, dann ist die SD-Karte das Speichermedium der Wahl. Aber SD-Karte ist nicht gleich SD-Karte. Mittlerweile bin ich stolzer Besitzer einer ganzen SD-Karten-Herde. Meine ersten Karten hatten noch 8MB, dann 16MB, dann 32MB, mittlerweile kaufe ich nur noch 64MB. Neben der Größe ist die Schreibgeschwindigkeit für Fotografen entscheidend. Schießt man im "Dauerfeuer" mehrere Fotos hintereinander müssen die Fotos von der Kamera auf die Karte. Bei langsamen Karten bremst die Karte die Kamera aus. Empfehlen möchte ich dem geneigten Leser mindestens zwei Karten nach UHS-I oder UHS-II-Standard. die Karten erkennt man an dem SD-HC bzw. SD-XC-Logo. Speichergröße kann gar nicht groß genug sein, sollte aber mindestens 32, besser 64 Gigabyte betragen. Preis pro Karte knapp 30 Euro. Natürlich muss die Kamera plus Ausstattung auch von A nach B kommen. Für eine ordentliche Tasche/Rucksack/Koffer sollte man als Einsteiger 100 Euro kalkulieren. Ich habe übrigens in drei Jahren drei Taschen gekauft - und die aktuelle ist schon wieder randvoll... Weiterhin benötigt man unbedingt einen zweiten Akku. Wer will schon das fotografieren einstellen, wenn der Akku erschöpft ist? Kostenpunkt rund 50 Euro. Die meisten Fotografen werden schnell an den Punkt kommen, an dem sie ein Stativ brauchen. Wenn man gerne wenig Freude an seinem Stativ hat gibt es die günstig beim Internet-Tandler oder bei MediaMarkt ab 29.99€. Vernünftige und stabile Stative gibt es ab 100€. Je nach Motiv wird auch sehr schnell ein externes Blitzgerät hinzukommen. Hier gilt die Devise "je fetter desto besser". Ein Blitzgerät wird in der Regel länger genutzt als die Kamera, deshalb sollte man hier immer das leistungsfähigste Gerät am Mark erwerben. Für Canon ist das derzeit der Canon Speedlite 600EX-RT. Kostenpunkt 589€. Fernbedienung für ruckelfreie Nachtaufnahmen, Polfilter, Funkauslöser für das Blitzgerät, Software für die Bearbeitung der Fotos, weitere Objektive, usw, usf. Fotografie ist ein teures Hobby. Deshalb empfehle ich beim Kauf der Kamera nicht gleich das ganze Pulver zu verschießen, sondern lieber in hochwertige Ausrüstung zu investieren. Auch wenn es sich der Anfänger noch nicht vorstellen kann: der Body wird in wenigen Jahren ersetzt, ein Stativ, ein Blitzgerät oder das Lieblingsobjektiv begleitet einen sehr viel länger.

Was konkret tun?

Glückwunsch, dass du dich bis hierher durchgekämpft hast. Wenn du immer noch Spaß am Hobby Fotografie hast dann möchte ich dir jetzt eine Empfehlung für deinen Einkauf abgeben. Wie du damit umgehst erfährst du in weiteren Beiträgen auf bettringen.net. Zuerst: Finger weg von Kit-Angeboten. Die Optiken sind günstig, ich habe damit sogar gute Fotos gemacht. Aber sie sind nicht gut. Kauf den Body ohne Objektiv - je nach Gefallen und Budget:

  • Im "Amateurbereich" eine 1300D (die tut es wirklich!), oder eine 700D, wenn du das Schwenkdisplay magst und die paar Euro Aufpreis egal sind.
  • Im Semiprofessionellen Bereich die 7D Mark IIals Topgerät in der APS-C-Klasse, oder die 80D als Topgerät unter den "zweistelligen" Canons.
  • zum Einstieg in den Profibereich die 5D Mark III. Hier kann ich aber leider keine weiteren Tipps geben, Kleinbild überschreitet mein derzeitiges Budget leider deutlich....

Wenn du nicht gerade von vorneherein ein Spezialgebiet hast (ich kenne jemanden, der nur zur DSLR gekommen ist weil er Spinnen fotografieren wollte) kauf dir ein Sigma 17-70mm 1:2.8-4 Macro HSM. Kostenpunkt 410€. Dazu zwei Speicherkarten, einen Zweitakku und eine Tasche/Rucksack. Und dann arbeite damit für zwei bis drei Monate. Rechnen wir zusammen:

  • Body Canon EOS 1300D (ab 300€)
  • Sigma 17-70mm 1:2.8-4 Macro HSM (ab 400€)
  • Tasche/Rucksack (100€)
  • 2x Speicherkarte (2x 60€)
  • Ersatzakku (50€)

Das sind 1000 Euro. Hört sich anders an als die 350€ aus der MediaMarkt-Werbung, aber es entspricht der Wahrheit. Gerne darf man auch mehr ausgeben, wenn man aus der 1200D eine 700D oder eine 7D Mk IImacht (oder ein Nikon-Äquivalent). Dafür bekommt man einen soliden Grundstock, dass 17-70 ist eine Investition in die Zukunft und man kann sich rund um seine DSLR in alle Richtungen weiterentwickeln. Wie? Das werde ich in meinen nächsten Beiträgen beschreiben.

Kauf dir das Teil und lege los, du wirst auch nach den nächsten hundert Testberichten nicht klüger.

 


Fotoschule

Ein Teil der Beiträge hier habe ich ursprünglich für einen Freund und Fotografie-Neuling geschrieben. In etwas veränderter Form habe ich sie zu einem Tutorial für Einsteiger zusammengefasst. Hier ein Überblick über die einzelnen "Kapitel", die logisch aufeinander aufbauen.